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Friedrich Brass/ Oliver König
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Die Bergische Uhrmacherei begann Anfang des 18. Jahrhunderts. Existierte bis etwa 1760 nur eine Handvoll Uhrmacher in diesem Gebiet, so erlebte die Uhrmacherkunst im Bergischen Land
in den letzten 40 Jahren dieses Jahrhunderts ihre Blütezeit. Die älteste erhaltene Bergische Uhr scheint die Rahmenuhr von Wilhelm Herder von 1715 zu sein.Herder arbeitete wie etliche seiner Kollegen
in Solingen, neben Wuppertal, genauer gesagt Elberfeld, die Hochburg der Bergischen Uhrmacherei. Hier waren v. a. die geschickteren und geschulteren Uhrmacher wie Bick, Eck, Lange, Lütgens, Stallmann,
von Haltern und Winkel tätig, die sich auf sog. Komplikationen bei der Herstellung der Uhrwerke, das heißt Tages-, Wochen- und Monatsanzeige, Mondphase oder Spielwerk, verstanden.
Neben diesen renommierten Uhrmachern gab es eine große Anzahl weit verteilt im ländlichen Raum, aus denen eine Uhrmacherfamilie am nordöstlichen Rand des Bergischen Landes im Grenzraum zur Grafschaft Mark
hervorstach, die Uhrmacherdynastie Peddinghaus.
Die ersten dieser Dynastie waren die Brüder Johann Peter Peddinghaus (senior) und Johann Martin Peddinghaus (senior), die gleichzeitig zu den ältesten Uhrmachern der Grafschaft Mark zählen.3 Sechs Söhne
und zwei Schwiegersöhne ergriffen den Beruf ihrer Väter.
Sowohl Johann Peter als auch Johann Martin Peddinghaus (senior) verstanden sich auf Komplikationen, man findet von ihnen Uhren mit Mondphase, Datums- und Monatsanzeige, von Johann Martin ist sogar der
einzige signierte Uhrenkopf mit Automat bekannt, der im Uhrenmuseum Bad Grund im Harz ausgestellt ist. In diesem Zusammenhang kann man diese beiden Uhrmacher auf jeden Fallauf eine Stufe mit den
obengenannten "städtischen" Uhrmachern stellen.
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Bild 1
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Bild 2
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Bild 3
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Bild 4
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Bild 5
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Aus dem erwähnten Typus der quadratischen Rahmenuhr, der bis 1760 vorherrschte, ging der sog. Trapezkopf hervor. Zifferblatt mit Zinnring, Mittelteil am Messing oder Zinn, vier barocke Eckverzierungen(aus
dem englischen) "Spandrels" genannt, basieren noch auf der quadratischen Rahmenuhr jetzt durch den Arkus erweitert der nun zusätzlich Platz für weitere Spandrels und/oder eine Signatur ließ.
Der hier vorgestellte, bisher unbekannte Trapezkopf (Abb. 1 stellt den frühesten Uhrenkopf von Johann Peter Peddinghaus (senior) dar, die Datierung ,,1766" (in den Zinnring graviert siehe Abb. 3)
liegt sieben Jahr vor der bisher ältestdatierten Uhr von 1773.
Der Uhrenkopf ist in massivem Nußbaum gefertigt. Das Gesims ist trapezförmig, leicht vorkragend, profiliert und verkröpft gearbeitet. Auf den Lisenen befinden sich zwischen kleinen Podesten
balusterförmige Dreiviertelsäulen. Auf dem rot gefaßten eisernen Ziffernschild ist in kunstvoller Manier der gravierte Zinnring, die Stundenzahlen und der Minutenring sind schwarz, die Minutenzahlen im
Fünfminutenabstand rot eingelegt.
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Bild 6
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1. Bergischer Barockkopf in Trapezform, signiert und datiert: ,,1766/ Peter Peddinghaus", Nußbaum, massiv, 53 x 43 x30 cm
2. Eiserner Ziffernschild mit Spandrels und dem besonders fein gravierten Zinnziffernring (Detail von Abb.1)
3. Signatur und Datierung aufdem Ziffernring: ,,1766 l” (für Johann) Peter Pedinghaus (Detail von Abb.1)
4. Rückansicht des Uhrwerkes des Trapezkopfes: Aufzugtrommeln aus Messing, innenliegender Windfang, verzierte Wellen
5. Ziffernschild des Bad Grunder Uhrenkopfes (Abb. 6)
6. Trapezkopf des Bruders Johann Martin Peddinghaus, 59 x 43 x 20,5 cm; Uhrenmuseum Bad Grund im Harz
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Die Signatur mit der Datierung findet man unter dem Minutenring zwischen den Zahlen 40 und 20, ebenfalls schwarz eingelegt: 1766 I (für Johann) Peter Peddinghaus (Abb. 3). "Die Uhrmacher Peddinghaus
.. .'Verwendeten vor 1785 anscheinend nur Zinnzifferblätter, die zum Teil aufwendig graviert waren. Der Mittelteil ist aus Messing, welches um die Aufzuglöcher herum verziert ist. Der Ziffemring wird von
vier barocken Spandrels umrahmt, im Arkus befindet sich eine weitere Applike aus bronziertem Zinn, die einzigartig für Bergische Uhren ist und auch bei der PeddinghausStanduhr von 1777 von benutzt
wurde: Es handelt sich dabei um "weibliche Halbfiguren, die aus Akanthus herauswachsen", die eine Konsole mit der Darstellung eines Lamms flankieren. Dieses Motiv stammt von einem Altaraufsatz
in Dahl bei Hagen und wurde an einigen Uhren in Metallguß im Arkus dargestellt. Es wird der Werkstatt Peddinghaus zugeschrieben, was durch diesen Uhrenkopf untermauert wird.
Johann Peter Peddinghaus (senior) war im übrigen sehr detailverliebt, neben kunstvoll gearbeiteten Zeigern, die man auf all seinen Uhren findet, führte er z. B. Verzierungen am Uhrwerk aus. Auch bei
diesem Uhrwerk, als sog. Stangenwerk angefertigt, findet man verzierte Wellen und Aufziehvierkante, es weist aber noch zwei gravierende Besonderheiten auf: Fast alle Bergischen Schlagwerke besitzen einen
außenliegenden Windfang, diese Uhr hat einen innenliegenden. Die Seiltrommeln waren meist aus Holz gearbeitet, hier sind sie aus Messing (Abb. 4).
Vergleicht man den hier beschriebenen Uhrenkopf von Johann Peter Peddinghaus (senior) mit der Uhr seines Bruders Johann Martin Peddinghaus (senior, Abb. 5, 6), so gibt es zahlreiche Ähnlichkeiten.
Formgebung und Holzauswahl sind fast identisch, gewisse Unterschiede das Ergebnis von späteren Restaurationen des im Museum ausgestellten Kopfes. Bei einem Besuch im Uhrenmuseum Bad Grund und
ausführlichem Gedankenaustausch mit dem Museumsleiter Herrn Berger, stellten wir fest, daßdie damals fehlende (Front)-Tür des Kopfes und die drei Ziervasen auf dem Gesims im Auftrag des Uhrenmuseums nach
dem Erwerb der Uhr ergänzt wurden und der gekürzte Trapezgiebel bereits verändert war.
Die genannten Gemeinsamkeiten lösen Spekulationen aus, ob die Herstellung bei der Uhrenköpfe in ein und derselben Schreinerwerkstatt stattfand, zumal beide Uhren 1766, also im selben Jahr, gefertigt
wurden. Damit scheint auch bewiesen, daß nicht etwa der jüngere Bruder, Johann Martin, zuerst mit der Uhrenherstellung begann, sondern beide, Johann Peter Peddinghaus (senior) und Johann Martin
Peddinghaus (senior), etwa zur gleichen Zeit mit der Fertigung Bergischer Uhren anfingen.
Der hier ausführlich vorgestellte bisher unbekannte Uhrenkopf zeigt, daß' die Geschichte der Bergischen Uhrmacherkunst immer wieder modifiziert werden muß.
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